Abenteuer Aufwachsen: „Zuckersand“ von Jochen Schmidt

81ssza25awlJochen Schmidts „Zuckersand“ (C.H. Beck) ist die bunte Geschichte um einen namenlosen Familienvater, der das Aufwachsen seines zweijährigen Sohnes Karl mit ganz eigenen Augen betrachtet und wiedergibt. Während Mutter Klara den Arbeitstag in der Denkmalschutzbehörde verbringt, stürzen sich der Vater und Karl in das Getümmel des Lebens, denn nicht nur draußen wartet hinter jeder Ecke ein Abenteuer.

Jochen Schmidt wagt mit seinem Roman einen Vorstoß in eine kindliche Welt, wie sie in diesem Stil nicht häufig erzählt wird. „Zuckersand“ ist eine Aneinanderreihung von Erkenntnissen, Gedanken, Vergleichen und Erinnerungen, die dem Vater (der Einfachheit halber nenne ich ihn in der Tradition der Namen Klara und Karl mal K.) in den Kopf kommen, als er seinen Sohn beobachtet und begleitet. Schnell wusste ich als Leserin nicht mehr, wo mir der Kopf stand, denn was K. da alles feststellt und überlegt, sprengt jeden Rahmen. Mit vielen Details, Komik, aber auch Albernheit entdeckt man so die Welten des Aufwachsens, die der Vater akribisch aufzeichnet. Albernheit war für mich ein großes Stichwort, denn auch, wenn jeder sein inneres Kind bewahren sollte, fand ich die Darstellung K.s für sein Alter doch recht kindisch und konnte mich mit dem Erzählstil nicht recht anfreunden.

„Der Euro im Korb gehört mir noch, während mit der Korb sicher nicht gehört, aber ich kann wahrscheinlich nichts mit dem Euro bezahlen, ohne vorher den Korb zu kaufen, wobei auch dann kaum ein Händler den Korb mit dem eingeklemmten Geldstück als Bezahlung annehmen wird.“

Während ich die ersten Seiten von „Zuckersand“ las, kam mir sofort der Gedanke, dass dieser Roman deutlich besser als Hörbuch funktionieren sollte. Wenn der Sprecher mit Bedacht Textstellen hervorhebt und an den richtigen Stellen Pausen setzt, bekämen viele der Situationen sicher eine größere Wirkung. So kann es nicht passieren, das beim Selberlesen viele der komödiantischen und rührenden Sätze untergehen. Die Zielgruppe des Romans würde ich eher auf junge Eltern setzen, aus der ich rausfalle – vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weswegen ich „Zuckersand“ für mich nicht unbedingt entdecken konnte. Jochen Schmidt besitzt sicher eine spannende Erzählkraft, bei der jedes Wort, jeder Satz zählt, daher ist der Roman im Stile der Handlung ein Buch für literarische Weltenentdecker, die nicht davor zurückschrecken, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen.

  • Gebundene Ausgabe: 206 Seiten, 18€ (D)
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (16. Februar 2017)
  • ISBN-13: 978-3406705090

Nika

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