Eine Flucht vor der Vergangenheit in Brasilien: „Luana“ von Luiza Sauma

81odwpqjvnlLuiza Saumas „Luana“ (Hoffmann & Campe) ist die Geschichte des Familienvaters André, der nach über 20 Jahren Briefe seines ehemaligen Dienstmädchens Luana erhält, die sein Leben auf den Kopf stellen und Erinnerungen hervorrufen, vor denen er als junger Mann aus Brasilien floh. Die Geschichte um André und Luana entführt die Leser in das bunte Rio de Janeiro der 80er Jahre, bevor die Wirtschaftskrise das Land traf.

„Luana“ ist eine Geschichte, wie sie oft erzählt wird. Sie handelt von Liebe, Eifersucht und gebrochenen Herzen, Familiengeheimnissen und lebensverändernden Entscheidungen und überrascht nicht wirklich mit unvorhersehbaren Wendungen oder Charakteren. Durch diese fehlenden Überraschungen war der Roman für mich nicht wirklich überzeugend, eher eine nette Erzählung für zwischendurch – idealerweise im Sommerurlaub, um die beschriebene Hitze Brasiliens auf der Haut zu spüren. Luiza Sauma macht in ihrer Geschichte nichts falsch. Die Autorin folgt einem lockeren Tempo, präsentiert den Lesern Stück für Stück die Vergangenheit und ist dabei nicht zu übertrieben. Die Figuren sind sympathisch, bleiben jedoch sehr einseitig und in ihren Handlungen begrenzt. Aus der Ich-Perspektive springt André zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und offenbahrt dabei mehr Schwächen als Stärken. Er ist es, der aus seiner Heimat floh und die Leidtragenden zurückließ. André wird damit nicht unbedingt zum Sympathieträger.

Was den Roman für mich interessant machte, war die Darstellung des Lebens der brasilianischen High Society der 80er Jahre, in der man Dienstmädchen beschäftigte und nie mit „banalen“ Dingen wie putzen oder kochen in Berührung kam. Auch die junge Luana arbeitet unter ihrer Mutter Rita im Haus der Protagonisten und stellt damit eine Gesellschaftsschicht Brasiliens dar, die meist von Geburt an dazu bestimmt war, das Leben anderer Leute zu verwalten und einfacher zu machen. Wie Phantome sind Luana und Rita damit immer am Ort des Geschehens, leben dennoch mit ganz eigenen Regeln und Vorstellungen mit André, seinem Bruder und deren Vater, einem Schönheitschirurg, zusammen.

„Luana“ ist ein Roman, aus dem jeder das ziehen kann, was ihm gefällt. Für mich war er als reine Unterhaltungslektüre zwischen „härteren“ Büchern in Ordnung, wird aber definitiv keinen Platz in meinen Highlights einnehmen. Ich kann mir vorstellen, dass viele sich vom Zauber der Geschichte begeistern lassen können, bei mir wurden diese Gefühle jedoch nicht ausgelöst, was vollkommen ok ist und dem Roman keineswegs zum Vorwurf gemacht werden soll.

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten, 20€ (D)
  • Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (17. Februar 2017)
  • Übersetzung: Mayela Gerhardt
  • ISBN-13: 978-3455000016

Nika

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