Eine realistische Dystopie aus der Vergangenheit: „Die Maschine steht still“ von E.M. Forster

„Vergiss nicht, die Menschen haben sie erschaffen. Begnadete Menschen, aber doch Menschen!“

9783455405712E.M. Forsters „Die Maschine steht still“ gehört zu den Ursprüngen der Dystopie, ist aber neben Autoren wie George Orwell oder H.G. Wells nicht wirklich bekannt – zu unrecht. Hoffmann und Campe hat dieses Jahr erstmals eine deutsche Neuauflage herausgegeben, die in wunderschöner Aufmachung kommt und definitiv gelesen werden sollte.

Es ist das Jahr 1909, als die Geschichte unter dem Titel „The machine stops“ veröffentlicht wurde. In einer Zeit, in der die Industrialisierung in den Kinderschuhen steckt und niemand sich auch nur vorstellen kann, wie sehr sich die Welt verändern wird. Forster setzt in diese Welt die Vision einer Gesellschaft, die schon lange unter der Erde lebt und deren Leben von der Maschine bestimmt wird. Die Menschen leben in Höhlen und werden rundum versorgt. Sie leben ein einsames Leben, so hat die Protagonistin ihren Wohnraum seit Jahrzehnten nicht mehr verlassen und bricht nur widerstrebend auf, um ihren Sohn mit Hilfe eines Luftschiffes auf der anderen Seite der Erde zu besuchen. Dieser stellt das Leben mit der Maschine in Frage und bringt damit nicht nur sich selber in Gefahr.

Auf nur 78 Seiten schafft der Autor in „Die Maschine steht still“ eine Erzählung, die den heutigen Science Fiction-Geschichten in nichts nach steht und es ist kaum vorstellbar, dass sie schon über hundert Jahre alt ist. Als wäre Forster Hellseher gewesen, vermittelt er ein überzogenes, aber authentisches Bild der Abhängigkeit der Menschen von der Technik und überrascht mit einem sehr konsequenten Ende, über das ich nicht weiter schreiben kann, ohne zu viel zu verraten. Die Geschichte ist höchst spannend und vermittelt eine düstere Atmosphäre – es ist eine Überraschung, dass diese noch kein Hollywoodregisseur für sich entdeckt und verfilmt hat.

Ich freue mich sehr darüber, dass ich diese Geschichte und auch den Autor neu für mich entdecken durfte. „Wiedersehen in Howards End“ landet als nächste Erzählung Forsters definitiv auf meinem Wunschzettel! „Die Maschine steht still“ bekommt von mir 5 Sterne – 5 Sterne für eine intensive Dystopie, die trotz ihres Alters heute aktueller denn je ist.

  • Gebundene Ausgabe: 80 Seiten, 15€
  • Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (14. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Gregor Runge
  • ISBN-13: 978-3455405712

Nika

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