Umweltschutz, Familien und eine einsame Insel: „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ von Emma Braslavsky

42544Emma Braslavskys „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ (Suhrkamp) ist ein Roman über den Kampf um die Natur und die Zukunft der Menschheit, der diesen gleichzeitig mit den Nöten seiner Protagonisten verbindet, die ihrem Alltag nachgehen. Im Mittelpunkt stehen Jo und Jivan, die beide verschiedene Ziele in ihrem Leben verfolgen. Jo ist bekennende Umweltaktivistin und jettet für Projekte um die Welt, während Jivan sich eine Familie wünscht und nicht sicher ist, ob Jo dafür die richtige ist. Dritte Hauptfigur ist die junge Roana, die in Buenos Aires ein eigenes Leben ohne finanzielle Unterstützung des Vaters aufbauen will und für verschiedene Projekte arbeitet. Alle Erzähllinien fließen bei einer unbewohnten Insel zusammen, die entdeckt wird und um dessen Besitzrecht  sich verschiedene Länder, Organisationen und Menschen streiten.

„Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ ist ein spezieller Roman. In verschiedenen Teilen und aus verschiedenen Perspektiven erzählt er vom Leben der Protagonisten. Unterbrochen werden diese durch kurze Zeitungsmeldungen und andere Elemente wie den Dialog zweier Gestrandeter und Blogbeiträgen zur mysteriösen Insel. Gerade die Geschehnisse um die Insel waren für mich am unterhaltsamsten und interessantesten, während mich die Geschichte rund um Jo, Jivan und Roana leider nicht mitziehen konnte. Hatten mir die ersten Seiten wirklich gut gefallen, verlor sich in meinem Empfinden die Erzählung einer Sprache, die viele Nebensächlichkeiten einband, die ablenkten. Im Nachhinein fällt es mir sogar schwer, die Handlung zusammen zu fassen, da ich mir nicht sicher bin, ob ich durch die vielen Details die Quintessenz des Romans erfassen konnte.

Auch Emma Braslavskys Erzählung ist speziell. Sie mischt Gedanken der Figuren und Dialoge, die auch oftmals in rauen Worten den menschlichen Sexualtrieb behandelt, mit einem eigenen Humor, der frech, aber auch ehrlich ist. Damit gelingt es ihr zwar, aus einem scheinbar simplen Umweltroman noch viel mehr zu machen, dennoch  fehlte mir der Zugang zu den Protagonisten. Ich muss mich bei einer Lektüre nicht unbedingt mit den Figuren identifizieren, aber in diesem Roman waren die Charaktere einfach zu weit von mir entfernt. Jo und Jivan blieben für mich recht farblos, da zwar viel von ihnen erzählt, aber nicht unbedingt über ihre Vergangenheit geschrieben wurde. Somit fehlten mir die Hintergründe und die Motive, die beide zusammenhält.

Ich kann „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ leider nur 2 von 5 Sternen geben. Der Roman ist gut geschrieben, gut durchdacht und strukturiert, konnte jedoch nicht meine Interessen treffen. Ich bin mir sehr sicher, dass viele Leserinnen und Leser gerade die Aspekte positiv hervorheben, die mich gestört haben und das Buch ist für mich ein perfektes Beispiel dafür, dass die Geschmäcker verschieden sind und manchmal auch weit auseinander gehen können.

Mehr zum Roman und zur Autorin gibt es hier.

  • Gebundene Ausgabe: 462 Seiten, 24€
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (11. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3518425442

Nika

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