Im Delirium zur wahren Erkenntnis? „Das Buch Jonah“ von Joshua Max Feldman

Warum, dachte er mit zunehmendem Eifer, bekannte er sich nicht zu dem gesteigertem Sinn für Mitmenschlichkeit, der ihm zugeflogen war? Warum hörte er nicht auf sein chronisch schlechtes Gewissen? Und gab diesem heftigen Drang nach, besser zu sein, als er wollte? War das nicht der Sinn – die Botschaft -, auf den alle seine Erfahrungen in letzter Zeit hinausliefen?

„Das Buch Jonah“ von Joshua Max Feldman, S. 215, C.Bertelsmann, 2015.

701_15626_151384_3_xxlInhalt: In Joshua Max Feldmans Debütroman „Das Buch Jonah“ aus dem C. Bertelsmann Verlag stürzen wir gemeinsam mit dem Protagonisten in einen Strudel der Selbstfindung, welcher sich zuweilen extrem abstrakt und verwirrend gestaltet. Der Protagonist, Jonah, ist als erfolgreicher Anwalt in New York gerade dabei die Karriereleiter emporzuklettern, als ihn die Macht der Visionen mit voller Wucht trifft und komplett aus der Bahn wirft. Durch ein neuerwachtes Moralgefühl verliert er nicht nur seinen Job, sondern auch seine Verlobte, seine Geliebte und verscherzt es sich obendrauf auch noch gehörig mit seiner Verwandtschaft.

Rezension: Jonah driftet in dieser Geschichte, welche bewusst in Anlehnung an die biblische Vorlage geschrieben wurde, von einem Extrem ins andere. Zunächst präsentiert er sich als knallharter Geschäftsmann, der nach seinem „Zusammenbruch“ alle seine Zelte in New York abbricht und in seiner neuen Heimat Amsterdam ins Blaue hineinlebt und  dem Drogenkonsum fröhnt. Judith, eine hochbegabte Kunsthistorikerin, deren Lebensgeschichte uns Feldman parallel dazu erzählt, avanciert zu Jonahs Muse. Er folgt ihr bis nach Las Vegas, wo sie an einem großen Bauprojekt arbeitet. Er hat es sich zu seinem erklärten Ziel gesetzt, sie von ihren äußeren und inneren Zwängen zu befreien und sie auf den „richtigen“ Weg zu führen.

Das Thema „Religion“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch – so modern der Rahmen der Geschichte auch sein mag, sind die spirituellen Elemente stets präsent. Das Judentum: Jonah und Judith sind Juden;  Christentum: In Las Vegas soll sich Judith u.a. um den Verkauf einer Kirche kümmern, Islam: Judiths Eltern kamen im Zuge der Anschläge an 9/11 ums Leben. Buddhismus: Im Büro von Judiths neuem Chef befindet sich eine große Buddha Statue. Jonah wächst im Verlauf des Buches immer stärker in die Rolle eines Propheten hinein, der von Gott dazu auserwählt wurde, Besonderes zu vollbringen.

Dieses Buch ist eine Rarität, denn es gehört zu den wirklich wenigen gelesenen Büchern, wo ich aufrichtig froh war, es beendet zu haben. Auf seinen knapp vierhundert Seiten, passierte so viel und zugleich so wenig. Zugegeben, ich habe mehrere Anläufe gebraucht um es zu lesen. Das hatte mehrere Gründe: 1) Keiner der beiden Protagonisten hat mich persönlich angesprochen, die übrigen Charaktere waren mir zum Teil allzu sehr überzeichnet. 2) Jonahs gedanklichen Ergüsse, welche sich seitenweise und endlos lang gezogen haben, fand ich weder interessant, noch aufschlussreich. 3) Feldmanns Schreibstil ist gut, aber oft zu verschachtelt und driftet ins Abstruse ab. 4) Wie sich Jonah seinen Visionen gestellt hat, fand ich total seltsam, brutal und eigentlich so gar nicht selbstlos.

Ein positiven Aspekt  lässt sich zusammenfassend jedoch schon herausfiltern: das Buch regt zum Nachdenken an und wirft Fragen auf. Wie hätte ich selbst in solch einer Situation reagiert? In all der Hektik des Alltages, bei allen Sachen, die rund um mich herum passieren, bin ich mir selbst treu? Welche Werte möchte ich vermitteln? Kann ich mein Handeln auch vor mir selbst begründen und ist das jetzige Leben, das was ich wirklich möchte und das was mich erfüllt?

Bewertung: 2 von 5 Sternen.

An dieser Stelle möchte ich mich für das vom  C.Bertelsmann Verlag bereitgestellte Buch recht herzlich bedanken!

Alexandra

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten.
  • Verlag: C. Bertelsmann, deutsche Erstausgabe (Mai 2015)
  • Originaltitel: The Book of Jonah
  • Übersetzung: Astrid Arz
  • ISBN: 978-3-570-10203-9

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