Sie ist immer an seiner Seite: „Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer

„Jeder brauchte eine Ehefrau; eigentlich brauchen selbst Frauen eine Ehefrau.“

20161121_101347„Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer (Dumont) ist die Geschichte des Ehepaares Joan und Joe, die sich als Professor und Studentin kennenlernten und über 40 Jahre ihres Lebens gemeinsam verbringen. Ist die Familienidylle mit drei Kindern immer gewahrt, brodelt es hinter den Kulissen, denn der Schriftsteller Joe ist ein Lebemann und betrügt Joan, während diese immer an seiner Seite ist und in seinem Erfolg zur bloßen Ehefrau degradiert wird. Eine Preisverleihung in Helsinki wird für Joe zum bisherigen Höhepunkt seiner Karriere, doch gleichzeitig entschließt Joan sich, ihren Mann zu verlassen.

Für mich war „Die Ehefrau“ der dritte Roman der Autorin und vorab muss ich meine Begeisterung dafür aussprechen, wie gelungen ich die Titel finde, denn nach „Die Interessanten“ und „Die Stellung“ ist jeder dieser Bezeichnungen eigentlich so allgemein, passt aber dennoch wie die Faust auf`s Auge und schafft es, die Handlung in nur einem Wort zusammenzufassen. Auch in „Die Ehefrau“ ist der Titel Programm.  Passend zum Cover ist Joans Leben an der Seite ihres Mannes von tausenden kleinen Stecknadeln geprägt, die sich als schmerzhafte Situationen in ihre Seele bohren. Nach und nach offenbaren sich die Jahre mit Joe als wahre Last für Joan. Er ist der gefeierte Autor, sie muss zurückstecken und darf lediglich als seine Begleitung glänzen. Er weilt im Zirkel der Intellektuellen, während sie sich mit deren Ehefrauen treffen darf.

Meg Wolitzers Romane sind immer ungeheuer erwachsen und obwohl mein Alter sicher gerade bei diesem Roman sicher nicht zum Zielpublikum gehört und die Identifikation mit den Figuren schwer fiel, kamen mir Joan und Joe im Laufe der Handlung immer näher. „Die Ehefrau“ ist hierbei nicht unbedingt eine Erzählung, die Spaß macht. Immer wieder kam bei mir die Frage auf, warum Joan so lange an der Seite ihres Mannes geblieben ist, wieso sie nicht früher einen Schlussstrich gezogen hat – gleichzeitig ist die Liebe und Verehrung, die die beiden sich gegenüber bringen, ebenfalls spürbar. Joan und Joe gehören zusammen, in privater und beruflicher Hinsicht. Joan ist der regelrechte Fels in der Brandung, die alles zusammenhält und dadurch immer wieder verletzt wird, bis sich diese kleine Verletzungen immer weiter häufen und zur Trennung führen müssen.

Über das letzte Kapitel von „Die Ehefrau“ ist ohne zu spoilern leider nicht viel zu sagen, es war für mich aber das stärkste der gesamten Erzählung, führt es einen ganz neuen Blickwinkel auf die Abhängigkeit und den Erfolg der beiden ein. Es fühlt sich beinahe an wie die große Revanche der Ehefrau – wie diese Revanche aussieht, das muss jeder Leser selber herausfinden. Nur so viel sei gesagt: Es lohnt sich!

Alle vorher genannten drei Romane von Meg Wolitzer las ich innerhalb der letzten 5 Monate und habe alle sehr genossen. Auch „Die Ehefrau“ bekommt von mir 4 Sterne und ich freue mich, dass sich mit dieser Geschichte meine kleine Wolitzer-Sammlung erneut etwas vergrößert hat.

  • Gebundene Ausgabe: 270 Seiten, 23€ (D)
  • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (21. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3832198169
  • Übersetzung: Stephan Kleiner
  • Originaltitel: The Wife

Nika

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