Eine tragische Liebe auf Sylt: „Mitternachtsweg“ von Benjamin Lebert

„Zwei Liebende gehen also miteinander den Mitternachtsweg. Das heißt, sie gehen zu zweit hinaus auf das Wattenmeer. Und zwar traditionell am 23. Juni, zur Sommernachtswende, wenn die Nacht am kürzesten ist.“

51lxgzjfhl„Mitternachtsweg“ (Atlantik) ist eine Geschichte, die sich über die Jahrzehnte zieht. Es ist die Geschichte einer großen Liebe, die tödlich endet und niemandem, der sich mit der Tragödie beschäftigt, loslassen kann. Benjamin Lebert („Crazy“) hat mit seinem Roman eine moderne Mysterygeschichte geschaffen, die mich an den Stil von Carlos F. Zafon erinnerte. Alles beginnt mit einem einfachen Zeitungsartikel über den Sylter Friedhof für am Strand angespülte Leichen, die nicht identifiziert werden konnten. Der Journalist Peter Maydell ist fasziniert von den gruseligen und makaberen Geschichten des Kriminalistik-Studenten Johannes Kielland, bis dieser ihm eines Tages von einer besonders intensiven Begegnung mit Helma Brandt berichtet, in der eine längst verstorbene Person, ein furchtbares Geheimnis und ein sich immer wiederholendes Schicksal eine Rolle spielen.

Es ist schwer, die Handlung von „Mitternachstweg“ zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. An dem Roman gefiel mir von Beginn an der im Klappentext angesprochene Lokalbezug zu Sylt, der in Verbindung mit dem Inhalt sofort eine winterliche Atmosphäre an dunklen, windigen Stränden  auferstehen lässt und somit die ideale Umgebung schafft. Leberts Sprache ist einfach und klar verständlich. Mit simplen Worten lässt er Situationen lebendig werden, die von der rauen Atmosphäre der Küsten Norddeutschlands getragen werden. Seit den ersten Sätzen umgibt die Figuren ein mysteriöser Schimmer, der nie zu übertrieben wirkt. „Mitternachtsweg“ driftet nie zu sehr in eine Geistergeschichte ab, sondern hält immer die richtige Balance zwischen Spannung und Realität. Ich mag Geistergeschichten durchaus sehr, doch gerade die versuchte Sachlichkeit in den Roman hat mich gepackt.  Bin ich normalerweise kein Fan von Geschichten in Geschichten, hat es mir umso mehr gefallen, dass sich am Ende glaubhaft alle Zusammenhänge zwischen den Figuren gezeigt haben.

„Mitternachtsweg“ bekommt von mir 3,5 von 5 Sternen. Der kurzweilige Roman war nicht unbedingt etwas komplett neues, konnte mich aber über die Lesezeit durchgehend gut unterhalten und die Spannungskurve konstant oben halten. Die 236 Seiten habe ich innerhalb eines Tages auf mehreren längeren S- und U-Bahn-Fahrten durchgelesen, während sich draußen der Herbst zeigte. Ein Tag vor Halloween war „Mitternachtsweg“ der ideale Begleiter und ich kann mir gut vorstellen, dass je kälter und ungemütlicher es wird, der Roman den Lesern umso besser gefallen wird.

  • Broschiert: 240 Seiten, 12€ (D, Taschenbuch)
  • Verlag: Atlantik (17. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3455650938

Nika

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