Das Leben in den Tropen:“Die zehntausend Dinge“ von Maria Dermoût

a1hjqr3tj1lMaria Dermoûts „Die zehntausend Dinge“ aus dem dtv Verlag handelt von dem Leben auf den Inseln von Niederländisch-Indien. In verschiedenen Episoden erzählt die Autorin von der Schönheit der Gewürzinseln, der Konflikte zwischen Europäern und Ureinwohnern und bindet moderne Geistergeschichten ein. Der Fokus liegt hierbei auf dem „Kleinen Garten“ einer alten Plantage und deren Bewohnern, einer niederländischen Familie. Nach einem Studium in Europa kehrt die Tochter der Familie Jahre später mit ihrem Sohn zurück, um den Zauber des Lebens in den Tropen wieder auferstehen zu lassen.

Auch Dermoût wuchs, ähnlich wie ihre Hauptfigur Felicia im Paradies auf. Der Strand ist nicht weit, die vielfältige Natur direkt vor der Haustür. Von Anfang an ist die Sprache ihres Romans geprägt von einer Schönheit und einer bildhaften Sprache und schon auf den ersten Seiten fühlt man sich mittendrin im Geschehen an der Binnenbucht. Gerade diese Sprache ist es, die mir dann jedoch nach den ersten 50 Seiten negativ auffiel. Zu schnell springt die Handlung rund um die Frau vom Kleinen Garten nach vorne, zu wenig wird in meinem Empfinden eigentlich erzählt. Hatte ich das Buch nach 100 Seiten weggelegt, hatte ich beim Wiederaufnehmen des Lesens das Gefühl, mich nicht mehr wirklich an den bisherigen Inhalt erinnern zu können. Leider fiel es mir dadurch auch sehr schwer, Zugang zu den Figuren zu finden. Auch bei den anschließenden Zwischenpassagen, Kurzgeschichten von anderen auf der Insel lebenden Bewohnern, war mir der Inhalt und deren Aussage nicht ganz klar und so richtig anfreunden konnte ich mich mit den Texten nicht.
Positiv hervorheben möchte die vielen kleinen „Ideen“, von der die Erzählungen leben. Dermoût baut immer wieder kleine wiederkehrende Details ein, die das Leben auf der Plantage beschreiben. Auch die bereits erwähnten Geistergeschichten werden spielerisch eingebunden und als unterhaltsames Element genutzt. Es sind drei verstorbene Mädchen und die verstorbenen Ahnen, auf die immer zurückgegriffen wird und durch die ebenfalls eine Mystifizierung der Handlung entsteht.

„Die zehntausend Dinge“ ist für mich ein gutes Beispiel für Romane, die als Hörbuch besser wirken könnten. Dermoût benutzt eine ganz spezielle Art und Weise, die Dinge und Situationen zu beschreiben und an bestimmten Stellen durch Gedankenstriche hervorzuheben. Manchmal wirkt es daher eher wie ein Gedankenfluss oder Tagebucheinträge, die von einer Sprecherin eingesprochen auf jeden Fall wirksamer und intensiver rüberkommen als beim schnellen Lesen.

Dermoûts Roman war für mich leider nicht das Richtige, dennoch möchte ich ihn allen empfehlen, die von dem fernen Paradies träumen und in eine exotische Welt eintauchen möchten. Konnten mich der Schreibstil und die Erzählungen leider nicht überzeugen, kann gerade der Stil das prägende Element sein, was für viele aus diesem Buch ein Lieblingsbuch macht. Ich kann nur 2,5 Sterne vergeben, was „Die zehntausend Dinge“ leider nicht gerecht wird.

  • Gebundene Ausgabe: 264 Seiten, 22€ (D)
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (23. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Bettina Bach
  • ISBN-13: 978-3423280914
  • Originaltitel: Tienduizend dingen

Nika

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