Paris, 1889: „Der Turm der Welt“ von Benjamin Monferat

U1_978-3-8052-5093-1.inddNach „Welt in Flammen“ ist nun der zweite historische Roman des Autors Benjamin Monferat (Pseudonym von Stephan M. Rother) bei Wunderlich (Rowohlt) erschienen. In „Der Turm der Welt“ geht es um fiktive Ereignisse rund um die Pariser Weltausstellung 1889. In der Metropole tummeln sich über eine Million Menschen, um diese zu bestaunen. Doch nicht alle wollen die Exponate, allen voran den Turm des Architekten Eifel, bewundern, mitten in die heile Welt geht die Drohung, zum Ende der Ausstellung mit Hilfe eines Anschlages die Welt in die Tiefe zu stürzen. Schon bald befinden sich nicht nur die französischen Ermittler in dem Verwirrspiel rund um Intrigen und Macht, auch die Briten und Deutschen mischen mit und müssen bald an einem Strang ziehen, um das Chaos zu verhindern.

1889 ist die politische Lage in Europa angespannt. Es herrscht Frieden, dennoch sind die Beziehungen insbesondere zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland geprägt von Misstrauen. Die Weltausstellung soll die Stärke des Kontinents zeigen, während die politischen Figuren im Hintergrund die Fäden ziehen. Jeder Auftritt der internationalen Vertreter ist sorgsam geplant, denn jeder Patzer oder Fauxpas könnte der Anfang eines neuen Krieges sein. Mitten in diese Angespanntheit setzt Monferat die Leser. Es ist nicht hinderlich, hier ein wenig Vorwissen über die historischen Vorgänge in Europa zu haben, doch der Autor schafft es, die Verbindungen scheinbar mühelos einzubinden und den verschiedenen Charakteren ihren Platz auf der politischen Karte zu geben. Er springt hierbei von der einfachen französischen Hotelbesitzerin bis hin zum Prinzen Englands. Jeder hat seine Rolle in dem großen Spiel in Paris und wie auch in „Welt in Flammen“ erzählt Monferat die Geschichte über die 700 Seiten aus den verschiedenen Blickwinkeln der Figuren. Einige Charaktere haben wirklich existiert, einige sind erfunden. In „Der Turm der Welt“ wird zwar eine fiktive Geschichte erzählt, die aber in ihren kleinen Begebenheiten durchaus so hätte stattgefunden können, die politische Anspannung auf jeden Fall.

Hatte mich „Welt in Flammen“ vollends begeistert, konnte mich „Der Turm der Welt“ leider nicht ganz überzeugen. Zu einigen Charakteren fehlte mir der Zugang und es waren teilweise zu viele. Gerade zum Ende hin, wenn alle aufeinandertreffen, hätte ich mir einen Register gewünscht, denn so wurde der Showdown für mich dadurch verlangsamt, dass ich immer wieder kurz überlegen musste, mit welcher Figur ich es gerade zu tun hatte und was diese bisher ausgemacht hat. Die Geschichte muss sehr aufmerksam gelesen werden, denn viele kleine Details fügen sich nach und nach zusammen. Sicher habe ich einige Auflösungen verpasst, da ich hier der Handlung auf den vielen Seiten teilweise nicht mehr konzentriert gefolgt war. Meine Meinung ist daher auch meinem Leseverhalten geschuldet. Der Roman hatte zudem einige Längen, sodass sich einige Passagen sehr gezogen haben. In „Welt der Flammen“, indem es um die letzte Reise des Orientexpress während des Zweiten Weltkrieges geht, konnte Monferat seine Erzählkraft auf den eingeengten Kosmos des Zuges begrenzen, mit seinem neuen Roman rückt eine ganze Stadt in den Fokus. Vielleicht war es gerade diese konzentrierte Enge, die mir im ersten Roman besser gefallen hat. Ich möchte „Der Turm der Welt“ 3 von 5 Sternen geben und eine Leseempfehlung für die aussprechen, die historische Romane mögen, welche sich an politischen Verknüpfungen orientieren.

  • Gebundene Ausgabe: 704 Seiten, 22,95€
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (26. August 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3805250931

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