Ein Verrat zieht sich durch die Generationen: „Straus Park“ von P.B. Gronda

 

In „Straus Park“ des flämischen Autors P.B. Gronda (Luchterhand Literaturverlag) geht es um die Vergangenheit zweier Familien und wie diese bis in die Gegenwart nachwirkt. Nach dem Tod seiner Eltern ist Amos Grossmann in ein psychisches Loch gefallen. Er nimmt nichts mehr ernst, nicht die Ehe zu seiner Frau Farren, noch das Geld, das ihm seine reiche Familie vererbt hat und das aus dem Handel mit Kunst stammt. Als er dann auf die englische Kunsthistorikerin Julie trifft und sich in sie verliebt, scheint es ihm zum ersten Mal wieder mit etwas ernst zu sein. Doch das Glück hält nicht lange, denn Julie ist verlobt und die Vergangenheit holt beide ein.

Gronda erzählt die Geschichte um Amos und dem ewigen Suchen in seinem Leben in 2 Ebenen. Erfahren wir in der Gegenwart vom untätigen Tagesablauf des jungen Mannes, in dem er vor sich hin lebt, ist es die Vergangenheit im Amsterdam des Zweiten Weltkrieges, über die in der Mitte des Romans berichtet wird und in der seine jüdischen Großeltern Charlotte und Markus um ihr Leben kämpfen. Doch Charlotte und Markus haben sich mit dem ersten Tag in ihrem Amsterdamer Versteck auseinandergelebt. Ohne zu viel von der Handlung verraten zu wollen, kann ich sagen, dass mich insbesondere hier das Verhalten der beiden Eheleute abgeschreckt hat. Während Markus still und leise vor sich hinlebt, lässt sich Charlotte ausgerechnet mit einem deutschen Befehlshaber ein und verrät ihre eigenen Leute. Für mich war der Einstieg in beide Ebenen sehr schwer. Im Mittelpunkt stehen immer Amos und Julie und erst am Schluss wird enthüllt, dass die beiden mehr als nur die Gefühle füreinander verbinden. Weder zu Amos, noch zu Julie konnte ich einen Zugang finden und auch die Erzählung in der Vergangenheit konnte mich nicht näher zu ihnen bringen oder Sympathie auslösen.

Wer ist Amos? Wer war Charlotte? Beide spielen mit den Gefühlen derer, die sie lieben und über beide wurde in meinem Empfinden sehr kalt berichtet. „Straus Park“ zeigt, wie uns die Taten der Vorfahren prägen und verbinden, doch in diesem Roman ist es eine negative Art, dies zu verdeutlichen. Julie gerät mitten in einen unausgesprochenen Konflikt, dessen Teil sie bereits ist und die Auflösung über die Verbindung von Amos und Julie am Ende war für mich keine große Kunst, eher erschien sie mir sehr einfach konstruiert.

Ich kann „Straus Park“ leider nur 2 von 5 Sternen geben. Ich möchte nicht von Langeweile sprechen, dennoch konnte mich der Roman nicht unterhalten und in die Handlung ziehen. Alles, was Amos und seine Familie umgibt und geprägt hat, hat mich beinahe abgestoßen und mir fehlte das Interesse an den Protagonisten. Ich hatte mir sehr viel mehr von dem Roman erhofft, denn das Vermischen von Vergangenheit und Gegenwart klang sehr interessant. „Straus Park“ soll von Liebe und Verrat, von Schuld und Überlebenswillen handeln, doch diese Aspekte waren mir insgesamt zu viel und im Roman zu gewollt eingebunden.

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten, 24,99€ (D)
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (27. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3630875040
  • Originaltitel: Straus Park

Nika

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