„Augustus“ von John Williams

„Nur habe ich nie die Welt erobern wollen und wurde immer eher beherrscht, als dass ich Herrscher war.“

28089_4c„Augustus“ ist nach „Butcher`s Crossing“ und „Stoner“ der dritte und letzte Roman des 1994 verstorbenen amerikanischen Autors John Williams. Nachdem das Buch bereits 1972 in der Originalsprache veröffentlicht und mit dem National Book Award für Belletristik ausgezeichnet wurde, ist es nun in der Übersetzung von Bernhard Robben im dtv Verlag erschienen. Der Roman handelt vom Leben des römischen Kaisers, Gaius Octavius, auch Augustus genannt, der nach dem Mord an seinem Onkel und Adoptivvater Julius Cäsar zum Alleinherrscher über das Römische Reich aufsteigt.

Es wäre schon allein einen Bericht wert, nur über das Leben dieses beindruckenden Mannes zu schreiben und sich rein sachlich an den Quellen abzuarbeiten. John Williams hat mit „Augustus“ ein beeindruckendes Werk geschaffen, das Fiktion und Realität geschickt verknüpft und die Leser auf eine ganz besondere Weise in die Zeit um die Geburt Jesu zurückversetzt. (Die Geburt Jesu spielt im Roman keine Rolle, ist aber ein guter Ankerpunkt der Zeit.) In Briefen erzählt Williams die Geschichte Augustus` und lässt dabei alle Persönlichkeiten um den Kaiser zu Wort kommen. Am Anfang hatte ich die Befürchtung, diesen anspruchsvollen Roman ohne Vorwissen nicht gut verstehen zu können, doch schnell  waren mir die wichtigsten Namen vertraut und es fühlte sich an, als wäre ich mittendrin im Geschehen. Gerade die Art des Briefromans ist es, die „Augustus“ besonders lebendig macht. Wir lesen von Intrigen und von Feindschaft, von Machtkämpfen und Bedrohungen und natürlich auch von der Freundschaft, der Familie und des kurzen Glückes der Protagonisten. Immer wieder springt der Autor in den Zeiten hin und her und hangelt sich an den wichtigen Ereignissen im Leben des Ausgustus heran. Es ist wichtig zu erwähnen, und dies tut Williams im Vorwort auch explizit, dass es sich hierbei um einen Roman handelt. Die Figuren haben existiert und einige Fragmente der Briefe wurden angepasst und übernommen, dennoch ist „Augustus“ keine geschichtliche Quelle, sondern eine unterhaltsame und starke Geschichte, die den Einstieg in eine längst vergangene Zeit bietet.

Unterteilt ist „Augustus“ in drei Teile, die ich grob als „Aufstieg und Machtkämpfe“, „Familie und Freunde“ und „Tod und Rückblick“ betiteln würde. In jedem Teil stehen einige Personen mehr im Fokus, so ist es zum Beispiel im zweiten Augustus` Tochter Julia, die von ihrer Beziehung zu ihrem Vater und den drei Zwangsehen erzählt, die sie zur Machtstärkung eingehen muss. Gerade auch diese persönlichen Einblicke machen den Roman sehr intim und authentisch. Williams zeigt die gesamte Spanne seiner Erzählkunst, wenn er in den Briefen von Freunden zu Feinden und wieder zurückspringt und die Charaktere mit sehr viel Intelligenz und Glaubwürdigkeit ausbaut. Er macht aus der für viele schon verstaubten Geschichte eine Abenteuerfahrt, sodass ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen wollte. Dass Williams ein Meister der Charaktergestaltung ist, hatte er für mich bereits in „Stoner“ bewiesen, nun setzt er mit „Augustus“ einen noch höheren Maßstab, indem er diese Gestaltung auf reale Persönlichkeiten verbindet und ihnen in fiktiven Briefen eine Stimme gibt.

„Augustus“ ist ein beeindruckender und großer Roman, der nicht nur für Fans und Interessierte der Römischen Geschichte ein Muss ist. Es ist traurig, dass es fast 50 Jahre dauern musste, bis die Werke von John Williams wieder von der Leserschaft entdeckt wurden. Ich vergebe gerne 5 von 5 Sternen!

  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten, 24€ (D)
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (23. September 2016)
  • Übersetzung: Bernhard Robben
  • ISBN-13: 978-3423280891

Nika

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