Der Traum von Yale? „Briefe aus Amerika“ von Joachim Zelter

 

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Scheinbar vollkommen willenlos wird der Protagonist von seinem Professor für die renommierte Universität vorgeschlagen und tritt das Abenteuer USA an. So richtig überzeugt scheint auch er nicht zu sein und bestätigt so immer wieder die Fragen seiner Mitmenschen „Warum Amerika?“. In diesem Warum-Zustand verweilt anschließend die gesamte Erzählung. Zelter lässt seinen Protagonisten auf viele wunderliche Personen treffen, obwohl dieser während der gesamtem Erzählspanne merkwürdig allein bleibt und komplett für sich steht. Da gibt es die Nachbarin, die ihre Dienste als Prostituierte anbietet, die andere Nachbarin wiederum, die jeden Tag brav Zuhause auf den Ehemann wartet, der schon längst angehauen ist, den gefeierten Deutsch-Professor, der alle in den Schatten stellt – die Hauptfigur bewegt sich in einem wilden Kosmos und schafft es nicht, sich wirklich zu integrieren. Zelters Sprache bleibt hierbei sehr sachlich, sodass man das Gefühl hat, der Protagonist ließe alles auf sich zukommen.

Frei nach dem Motto  „Was muss, das muss“ hangelt er sich so von einer Woche in die nächste ohne einen wirklichen Plan zu haben. Als Lehrer an der Yale? Was sich viele andere wünschen, wird für den Protagonisten eigentlich sofort zum Alptraum – die Wohnung ist schäbig, die Studenten wollen nicht richtig (und wie soll er überhaupt Deutsch lehren, wenn seine einzige Antwort auf komplizierte Grammatikfragen die es, dass es nun einmal so sei…) und die Stadt überzeugt auch nicht.

Zelter, der selbst ein Austauschjahr an der Yale verbrachte, überspitzt die Situationen im Verlauf der Handlung immer mehr, sodass es am Schluss nur noch zur Katastrophe kommen kann. Am Ende steht erneut die Frage des Warums und danach, was Wirklichkeit und was Lüge ist. Wer hier einen ernsthaften Einblick in die Welt der Eliteuniversität erwartet, der ist sicher enttäuscht – auch mein Interesse war zu anfangs eher durch die Erfahrungen des Autors geweckt. So ganz packen konnte mich der Roman leider nicht. Der beworbene „Kultroman“ war für mich kein Highlight, hat mich aber mit den schrägen Ereignissen und den skurrilen Figuren unterhalten und damit definitiv seinen Zweck erfüllt – ich gebe dafür 3,5 von 5 Sternen.

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten, 19€ (D)
  • Verlag: Klöpfer & Meyer (25. Juli 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13:9 78-3863514235

Nika

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