Abenteuer- vs. Familientragödien: „Elf Arten, das Eis zu brechen“ von Hans Christoph Buch

„Es geht um Literatur, nicht um Lüge; Fiktion ist der Fachausdruck dafür.“

519siawhlwl„Elf Arten, das Eis zu brechen“ von Hans Christoph Buch aus der Frankfurter Verlagsanstalt ist eine wilde Aneinanderreihung von Geschichten, die auf den ersten Blick scheinbar nur sehr lose miteinander zu verknüpfen sind. In diesen wagt sich der Romancier zum ersten Mal an die Einbindung seiner Familie, in der laut Klappentext ein dunkles Geheimnis „nicht besprochen, sondern verschwiegen werden soll“. Dabei unterteilt er alles in drei Grundkapitel: „Wo bin ich?“, „Woher komme ich?“ und „Wohin gehe ich?“

„Wo bin ich?“ – Als Verfasser von Reportagen bereiste Buch auch viele gefährliche Regionen, die in diesen Kapiteln angerissen werden. So berichtet er von Reisen nach Russland, Kambodscha und Haiti, in denen er sich von Geheimdiensten verfolgt fühlt, sich mit Opfern der Roten Khmer trifft und auch seine eigene familiäre Vergangenheit einbezieht, wenn es um seine Großmutter in Port-au-Prince geht, deren erste Verlobung aufgelöst werden muss, weil die NSDAP dem deutschen Verlobten aufgrund der Hautfarbe Jeanne Buchs die Vermischung der Rassen durch eine Hochzeit untersagte. Wirken die ersten Erzählungen noch literarisch, basiert die Passage der Vorfahren Buchs aus zusammengestellten Briefen und Dokumenten. Für mich ist dieser Teil der stärkste, ist er mir am meisten im Gedächtnis geblieben und macht klar, wo Buch passend zur Kapitelüberschrift in seinem Leben steht.  Weiterhin vermittelt er kurze, aber spannende Einblicke in das Leben seiner Interviewpartner.

„Woher komme ich?“ – Eigentlich hätte schon die „haitische Passage“ hier dazugehört, doch Buch zieht den Kreis enger und berichtet von seinen Eltern, denen er nach seinen Tod mit Erinnerungen gedenkt, aber ebenfalls nicht Halt macht vor Dingen, die lieber verborgen geblieben wären. Es ist eine sehr ehrliche Art zu berichten, wenn Buch in einer Form ohne Punkt und Komma von den Gedanken über seine Mutter schreibt und über die Dinge, die er mit ihr verbindet. Leider konnten mich die Kapitel nicht wirklich mitreißen, da die Erzählungen in meinem Empfinden sehr sachlich abgehandelt werden und mich nicht berühren konnten.

„Wohin gehe ich?“ – Die Frage, wohin Buch mit dem dritten und letzten Kapitel geht, habe ich mir während der Lektüre leider auch gestellt. Er sucht seinen Alten Ego, den Ornithologen Hans Busch und reist zur Antarktis. Ab diesen Moment wurde mir der Text leider zu wirr und ich wusste nicht genau, was mir der Autor gerade eigentlich sagen soll. Ist es real, skurril oder eine Komödie?

11 Arten, das Eis zu brechen – 11 Kapitel, die Buch in drei Teile gliedert. Dem Autor ist es wunderbar gelungen, seine Texte mit klaren Überschriften zu definieren, dann aber zu Erzählungen zu greifen, die scheinbar doch nichts mit diesen zu tun haben und deren Sinn sich der Leser erst erarbeiten muss. Ich hatte während des Lesens das Gefühl, mir würde ein Puzzleteil zur Entschlüsselung fehlen – der Geistesblitz, der mich klar sehen beziehungsweise lesen lässt. „Elf Arten, das Eis zu  brechen“ war mein erstes Buch des Autors und ich fürchte, dass sich dieses nicht als Einsteiger eignet. Hatte mich schon das wirklich tolle Cover mit einem Kunstwerk von Caspar David Friedrich angelockt, konnte mich der Klappentext komplett davon überzeugen, das Buch lesen zu wollen. Leider hatte ich nach der Lektüre das Gefühl, etwas ganz anderes gelesen zu haben, als angekündigt war. Noch immer weiß ich nicht so recht, was ich da eigentlich vor mit hatte. Eine Reisereportage? Eine Biografie? Eine Sammlung wilder Kurzgeschichten? Ich kann dieser Mischung leider nur 2,5 von 5 Sternen geben, aber trotzdem eine Leseempfehlung aussprechen, da ich mir sicher bin, dass „Elf Arten, das Eis zu brechen“ zu den Texten gehört, die das Publikum spalten. Was mir gefehlt und nicht gefallen hat, ist für viele sicher eine grandios unterhaltsame und spannende Lektüre, intelligent ist sie allemal.

Veranstaltungstipp für Interessierte: Hans Christoph Buch liest am 22.09. in der Buchhandlung Zauberberg in Berlin, am 21.10. im Literaturbahnhof / Dommuseum Frankfurt und am 01.11. im Heinrich-Heine-Haus in Lüneburg!

Nika

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