Venedig in all seinen Facetten: „Ewige Jugend“ von Donna Leon

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„Brunetti las noch Buch zwei zu Ende und löschte dann ebenfalls sein Licht. Er fürchtete, von ertrinkenden Mädchen zu träumen, schlief aber friedlich durch und erwachte bei hellem Sonnenschein. Der Tag fing gut an.“

aus „Ewige Jugend“ von Donna Leon, S. 223, Diogenes 2016.

Inhalt: Auch in seinem mittlerweile 25(!) Fall ist Commissario Brunettis besonderer Spürsinn gefragt: die Contessa Lando-Continui, eine langjährige Bekannte seiner adeligen Schwiegereltern, wendet sich voller Verzweiflung an ihn. Bei einem Sturz von einer Brücke erlitt ihre geliebte Enkelin einen schweren geistigen Schaden, von dem sie sich nicht mehr erholen konnte. Auch nach 15 Jahren lässt das ihrer Großmutter keine Ruhe – sie ist der festen Überzeugung, dass damals Fremdverschulden vorlag. Manuela litt seit einem Unfall in ihrer Kindheit an einer Wasserphobie. Doch wer könnte Interesse daran gehabt haben, Manuelas Leben aus diese grausame Weise aufs Spiel zu setzen? Brunetti geht das Schicksal der jungen Frau nicht mehr aus dem Kopf und beginnt der Fall neu aufzurollen…

Rezension: Er zählt wohl zu den bekanntesten und beliebtesten Kommissaren Italiens, denn wer unter den eingefleischten Krimifans verbindet Venedig nicht mit ihm? The one and only: Commissario Brunetti. Seit 1992 schreibt die amerikanische Schriftstellerin Donna Leon (* 1942 in Montclair) jedes Jahr einen Brunetti Roman (ab 1993 im Diogenes Verlag) und erlangte damit Weltruhm. Auch die immer wiederkehrende Besetzung hat sich im Laufe der Jahre wenig verändert: seine Frau Paola, seine Kinder Raffi und Chiara; sein Kollege Ispettore Vianello, sein Vorgesetzter Vice-Questore Patta und dessen Sekretärin Signoria Elettra. Sie alle bilden den gewohnten Rahmen einer jeden Geschichte.

Statt Ispettore Vianello steht in Brunetti hier eine andere charmante Kollegin tatkräftig zur Seite – ihr Leidenschaft zu Pferden erweist sich hierbei als besonders hilfreich. Es ist berührend zu sehen, wie sie sich im Verlaufe des Buches mit der Enkelin der Contessa anfreundet und mit ihren regelmäßigen Besuchen, wieder etwas mehr Farbe in das Leben der jungen Frau bringt. Die anderen, mittlerweile wohl bekannten Figuren, kommen selbstverständlich auch nicht zu kurz – Elettras messerscharfer Verstand und ihre spitze Zunge, sowie Pattas beinahe grenzenlose Selbstherrlichkeit haben mich auch in diesem Roman wieder besonders erheitert!

Donna Leons Schreibstil ist angenehm elegant und flüssig, man erkennt daran durchaus die routinierte Schriftstellerin. Was macht sie so besonders? In erster Linie wohl ihre direkte, aber charmant verpackte Gesellschaftskritik gepaart mit charakterstarken Figuren und die über die Jahre kontinuierliche, anspruchsvolle Qualität der Romane. Brunetti ist erfahren, jedoch nicht abgebrüht. Er zeigt sich aufrichtig berührt von dem Schicksal Manuelas und verfolgt mit schonungsloser Genauigkeit die Aufklärung dieses Cold Cases. Das macht ihn sympathisch und in erster Linie menschlich. In diesem Fall geht es zwar in erster Linie um die Enkelin der Contessa Lando-Continui, aber es werden im Laufe des Romans, wie gewohnt, immer zwischendurch aktuelle Diskussionen in Form von Nebenhandlungen erzählt: Migration, Korruption in Politik und Wirtschaft, etc. Bei den teils sehr deutlichen Meinungen der Figuren bezüglich bestimmter, vor allem politisch brisanter Themen, scheint es daher wenig verwunderlich, dass es von Leon gewünscht ist, dass ihre Romane gerade nicht ins Italienische übersetzt werden.

Ein interessanter Hinweis am Rande: auf der offiziellen Seite von Donna Leon habe ich direkt unter dem aktuellen Buchtitel einen passenden Reading Group Guide entdeckt, welcher sich meiner Meinung nach hervorragend dafür eignet, auch  gerne einmal alleine nach dem Lesen über das Buch zu reflektieren. Es ist auf jeden Fall ein gutes Angebot und ich kann nur jedem empfehlen, es nach der Lektüre zu nützen!

Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen!

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Diogenes 2016
  • Orginaltitel: „Waters of eternal youth“ (Übersetzung: Werner Schmitz)
  • ISBN: 978-3-257-06969-3

Alexandra

 

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