Das muss wohl wahre Liebe gewesen sein: „Das Herz drohte mir zu zerspringen“ – Mein Leben mit Franz Marc von Maria Marc, Brigitte Roßbeck (Hrsg.)

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„Meine Liebe schuf eine menschlich warme Atmosphäre um ihn, die ihm wohltat. Und in mir regten sich alle guten Kräfte immer mehr und mehr, geweckt durch sein liebevolles Wesen, seine Wärme und seine immer stärker werdende Zuneigung zu mir, so dass ich wirklich aufblühte und ihm das sein konnte, was er als Gefährtin brauchte.“

„Mein Herz drohte mir zu zerspringen. Mein Leben mit Franz Marc“ von Maria Marc, Brigitte Roßbeck (Hrsg.), S 100 f., Siedler, Januar 2016.

Inhalt: Der Historikerin Brigitte Roßbeck ist es zu verdanken, dass die zu Papier gebrachten Erinnerungen von Maria Marc Anfang des Jahres erstmals im Siedler Verlag veröffentlicht worden sind. 1905 kreuzten sich die Lebenswege der Marcs zum ersten Mal – ab diesem Zeitpunkt wich Maria, geborene Franck (* 1876 Berlin – 1955 Ried), nicht mehr von seiner Seite. Bis zu ihrer Heirat sollten noch einige herausfordernde und aufreibende Jahre vergehen. Die unumstößliche Beharrlichkeit der beiden führte letztendlich doch zu einem glücklichen, wenn auch nur schmerzlich kurzen, gemeinsamen Eheleben. 1916 fiel Franz (*1880  München – 1916 Verdun) im Ersten Weltkrieg. Seine Witwe widmete sich in den darauffolgenden Jahren um seinen Nachlass und gab ihrer eigenen künstlerischen Karriere eine zweite Chance.

Rezension: Es war mir ein Erlebnis dieses Buch zu lesen, denn es gewährt einen einzigartigen Blick sowohl in den künstlerischen Schaffensprozess, als auch in das Privatleben eines der bedeutendsten deutschen Maler des 20. Jh. – Franz Marc. Aus all den Aufzeichnungen ist die aufrichtige und unbedingte Liebe Marias zu Franz herauszulesen. Über die Jahre bleib sie eine feste Konstante in seinem Leben; sozusagen sein Fels in der Brandung. Niemand konnte sich besser in sein tiefstes Inneres hineinversetzen als sie. Kein Hindernis war ihr zu groß, kein Weg zu aussichtslos für sie. Die Botschaft dieses Buch ist: Es lohnt sich für die große Liebe zu kämpfen!

Als Kunsthistorikerin interessierten mich aber natürlich in erster Linie der in dem Buch ausführlich beschriebene, kreative Entwicklungsprozess der Künstlerfigur Franz Marcs. In seinen Anfängen noch oftmals recht unschlüssig gegenüber seinem eigenen Werk, fühlte er sich oftmals unverstanden von seinen Zeitgenossen und führte eine geraume Zeit ein recht isoliertes Leben, fernab des sogenannten „Mainstreams“. Den entscheidenden Wendepunkt in seiner Karriere brachte seine Begegnung mit August Macke und dessen Vetter Helmuth, sowie dem Sammler Bernhard Koehler; in weiterer Folge dann seine Mitgliedschaft in der Neuen Künstler Vereinigung und die Gründung des „Blauen Reiters“ in Kooperation mit Wassily Kandisky. Ab dann lösten sich Schritt für Schritt seine anfangs gehegten Selbstzweifel. Marc wusste sich nun endlich auf künstlerischer Ebene verstanden und entwickelte daraufhin den für ihn so charakteristischen Stil hin zum Expressionismus. Eines seiner bekanntesten Gemälde Blaues Pferd I (1911, Öl auf Leinwand) befindet sich heute  der Städtischen  Galerie im Lenbachhaus, München. Noch nicht gesehen? Dann unbedingt anschauen!

Maria erzählt in berührender Weise von ihrer großen Liebe, ihren Wünschen, ihrer Sehnsucht und auch ihrer zeitweiligen Verzweiflung (Franz war zuweilen immer wieder in Beziehungen mit anderen Frauen verwickelt, ehelichte 1907 Marie Schnür). In ihrem tiefsten Inneren war es ihr jedoch bewusst, dass einzig allein sie seine ideale Partnerin war. Passend zu den einzelnen Lebensstationen wurden erfreulicherweise viele Bilder zu besseren Illustration in den Text eingefügt, was ohne Zweifel, eine große Bereicherung beim Lesen bewirkt.

Wer sich für die Kunstszene des 20. Jh. interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen; alle anderen aber auch, denn es legt doch in erster Linie Zeugnis einer wahren, großen Liebe ab, die trotz allen Widrigkeiten des Lebens triumphiert!

Herzlichen Dank an dieser Stelle für das vom Siedler Verlag freundlicherweise bereitgestellte Rezensionsexemplar!

Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen.

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Siedler, Januar 2016 (1. Auflage)
  • ISBN:978-3-8275-0035-9
  • Sprache: Deutsch

Alexandra

 

 

 

 

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