#ferrantefever: „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

„Als Lila und ich uns entschlossen, die dunkle Treppe nach oben zu steigen, die, Stufe für Stufe, Absatz für Absatz, zu Don Achilles Wohnungstür führte, begann unsere Freundschaft.“

61a5RhifUcL„Meine geniale Freundin“ ist der erste Teil der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante, der nun bei Suhrkamp erstmals in der deutschen Übersetzung erschienen ist.  Schon die Identität der Autorin ist ein wahres Spektakel, denn diese wird nicht preisgegeben. Elena Ferrante versteckt sich dabei nicht hinter ihren Veröffentlichungen, sondern will dafür einstehen, dass  vollendete Romane keine Autorenschaft mehr benötigen würden (Artikel im „The New Yorker“ – sehr spannend!). Das Original „L`amica geniale“ erschien 2012 und vier Jahre später wird nun auch die deutsche Leserschaft mit dem „Ferrante-Fieber“ angesteckt. Der Suhrkamp-verlag veröffentlichte hierzu sogar eine eigene Homepage, auf der es weitere Informationen, eine Leseprobe und Neuigkeiten zu der Saga gibt: http://www.elenaferrante.de

In „Meine geniale Freundin“ geht es um die tiefe Freundschaft und das Aufwachsen im Neapel der Nachkriegszeit. Lila und Elena könnten unterschiedlicher nicht sein, sind aber unzertrennlich. Die eine ist die Tochter eines Schusters, die als „die Böse“ bezeichnet wird und immer für Aufruhe sorgt, die andere das brave Mädchen, das hinter der wilden Freundin bleibt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive Elenas, die Lila abgöttisch liebt, aber mitansehen muss, wie die Kluft zwischen den beiden immer größer wird. Während Elena alles versucht, um mit der Aussicht auf die Universität Klassenbeste zu sein, muss Lila schon früh die Schule verlassen und fortan im Geschäft ihres Vaters helfen. Trotz der unterschiedlichen Lebensweise dreht sich der Lauf der Schicksale und es ist ausgerechnet Lila, die auf einmal all das hat, was Elena zu fehlen scheint. Mehr zum Inhalt sei nicht verraten, denn jeder sollte den bewegenden Roman auf seine eigene Art neu für sich entdecken.

Der Hype um Elena Ferrante und ihren Romanen war bereits vor dem Erscheinen des ersten Teils groß und ich war wahnsinnig gespannt auf diese Erzählung, die ich schon öfters in der englischen Ausgabe in der Hand hatte. Meine hohen Erwartungen trieben mich sofort nach Ankunft des Päckchens dazu, das Buch zu lesen und schnell hatte ich Angst, enttäuscht zu werden. „Meine geniale Freundin“ ist nichts Außergewöhnliches. Niemand hat hier das Rad neu erfunden, dennoch hat mich die Erzählung schnell in den Bann gezogen und gerade die letzten 100 Seiten haben mich noch einmal richtig überzeugt. Achtung, Sprung zum Ende: Hat man die letzte Seite gelesen und muss das Buch schließen, fühlt es sich ein bisschen so an, als würde man auch die Freundschaft, die sich zu der Erzählung entwickelt hat, beenden. Ferrante  hat es hierbei grandios verstanden, ausgerechnet da aufzuhören, wo man mittendrin ist und sich als Teil der Gemeinschaft fühlt. Der Drang, weiterzulesen, ist groß und es ist fast schon ein Wahnsinn, dass der zweite Teil erst im Januar 2017 erscheinen wird. Bitte mehr – sofort, das Ferrante-Fieber hat auch mich angesteckt!

Die Leser wachsen mit Lila und Elena auf, hierbei wechseln sich die ruhigen Momente mit den rasanten ab und es ist nicht immer unbedingt spannend zu lesen. Ferrante lässt den Protagonisten Zeit, sich zu entfalten und der Geschichte, an Fahrt aufzunehmen. Durch die lebendige Sprache der Übersetzung ist „Die geniale Freundin“ ein Roman zum Schmunzeln und Lachen, aber auch zum Ärgern, wenn die Ungerechtigkeiten der Kindheit und Jugend auf das bis dahin unschuldige Leben von Lila und Elena treffen. Als Wertung möchte ich dem Roman 4 von 5 Sternen geben und freue mich auf Band 2 „Die Geschichte eines neuen Namens“.

Nika

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