„Fallensteller“ von Saša Stanišić: Ein Zauberer der Worte

„Mo und ich wollen zu den christlichen Menschenrechtsaktivisten stoßen, die auf einem Rheinfloß in einer Rheinstadt ein Rheinfest feiern. Das Wasser steht uns bald symbolisch bis zum Hals.“

9783630874715_CoverInhalt: Am 9. Mai ist die Kurzgeschichtensammlung  „Fallensteller“  von  Saša Stanišić im  Luchterhand Literaturverlag erschienen. Die Handlung ist vielfältig: Ein vom Leben nicht sehr verwöhnter alter Mann hat eine Leidenschaft für die Magie. Er bittet um Ruhe für die Große Illusion. Aber die Gemeinde trinkt Kaffee und hält nicht still.
Ein geheimnisvoller schwarzgekleideter Mann taucht in unserem Dorf auf, er behauptet, Fallen herstellen zu können für jeden Zweck, nicht nur für das Tier. Mit dem Fallensteller kehrt Stanišić nach Fürstenfelde zurück, jenes uckermärkische Dorf, das den Lesern aus „Vor dem Fest“ bekannt ist, und in dem alles immer möglich ist, auch Magie.
„Ich finde Bäume nur als Schrank super“, ruft der naturabgeneigte Erzähler der Geschichte „Im Ferienlager im Wald“. Immerhin freundet er sich mit Hirschen an und spielt eine Runde Fifa auf der X-Box mit ihnen.
Ständig auf der Reise sind „der unterhaltsame Gesetzesbrechers Mo und seine wohlstandstrübsinnige Begleiterin“ (Hamburger Abendblatt). Zwei Freunde, die mit Karacho und Geschick ihren Sehnsüchten hinterher jagen, quer durch Europa: einer christlichen Menschenrechtsaktivistin, einer syrischen Surrealistin, einem bedrohten Vogel. Um nur ein paar zu nennen.

Rezension: „Fallensteller“ war mein erstes Buch des aus Bosnien und Herzegowina stammenden deutschsprachigen Schriftstellers, umso gespannter war ich auf den Text des Bestsellerautors. Als erstes fiel mir der Sprachstil des Autors auf. Stanišić spielt mit den Worten und Sätzen und häufig muss man als Leser über den Einfallsreichtum schmunzeln. Er vermittelt damit eine hohe sprachliche Sicherheit und schafft es, die Sprache der Komik und Tragik gekonnt zu inszenieren und zu verbinden. Noch nie habe ich so viel intelligenten Wortwitz in einem Buch gelesen!

Die Inhalte der verschiedenen Geschichten erinnern mich in ihrer Skurrilität an die von Franz Kafka oder Bruno Schulz. Man sollte nicht versuchen, die Intentionen der Protagonisten zu hinterfragen und sich darauf einlassen, dass alles ein bisschen „schief“ wirkt oder genau dann endet, wenn es in anderen Erzählungen erst richtig los geht. Diesen Stil muss man mögen, das ist klar. Die Kurzgeschichten versprechen trotz der Sachlichkeit immer ein wenig Magie und es würde nicht wundern, wenn wie in Harry Potter und Co. plötzlich gezaubert wird.  Der Autor hat es zumindest bei mir geschafft, Außergewöhnliches zu erwarten und dann doch mit der scheinbaren Normalität zufrieden zu sein.

Fazit: „Fallensteller“ macht definitiv Lust auf mehr, für mich fühlte es sich dennoch leider ein wenig so an, als würde ich Stanisics Werke in der falschen Reihenfolge lesen, um wirklich in die Inhalte und die Sprache „reinzukommen“. Ich gebe der Kurzgeschichtensammlung daher 3-4 von 5 Sternen und freue mich sehr auf „Vor dem Fest“ , das meine Wertung sicher noch anheben wird. Eins ist für mich sicher: Stanišić ist ein großer Autor, von dem wir sicher noch viel lesen werden!

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten, 19,99€

Verlag: Luchterhand Literaturverlag (9. Mai 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3630874715

Vielen Dank an den Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar!

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