Von Vollmond zu Neumond: „Die Gestirne“ von Eleanor Catton

„Doch es gibt keine Wahrheit außer der Wahrheit der Beziehungen, und die Beziehungen am Himmel bestehen aus Rädern, die sich bewegen. Achsen, die sich verschieben, Skalen, die sich drehen; es ist eine Orchestration, wie ein Uhrwerk, die sich jede Minute verändert und nie stillsteht.“

9783442754793_CoverInhalt: Für „Die Gestirne“  bekam Eleanor Catton den renommierten Booker Prize  und das als jüngste Preisträgerin. Ende 2015 ist das 1000 Seiten starke Buch im btb Verlag erschienen.

Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.

Rezension: „Die Gestirne“ ist eine wahre Herausforderung. Hat man es erstmal geschafft, sich mit dem gefühlt 10 Kilo schweren Buch in eine bequeme Leseposition zu bringen, ist es danach die nächste Hürde, sich alle handelnden Personen und die Geschehnisse einzuprägen. Hier hilft zum Glück die Übersicht der Protagonisten am Anfang des Romans. Was jedoch die Handlung angeht, ist Konzentration gefragt, denn jeder der  12 Charaktere, die im ersten Teil eine Rolle spielen, hat seine eigene Geschichte und eigene Details beizutragen.

Eleanor Catton schafft es, einen kurzen Handlungsabschnitt in die Länge zu ziehen, wie ich es so noch nicht gelesen habe. Dies sei positiv vermerkt, denn es ist äußerst spannend, wie sich die verschiedenen Fäden nach und nach zusammenfügen und ein regelrechtes Gesamtkunstwerk ergeben. Jedes Detail, jede noch so kleinste Begebenheit hat eine Bedeutung. Dadurch, dass die Kapitel aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird, hat man als Leser das Gefühl, mittendrin zu sein und es ist fast schon eine kleine Enttäuschung, wenn das Kapitel endet und ein neuer Protagonist in den Vordergrund tritt.

Zu viel über die Handlung möchte ich nicht verraten, zu anfangs erscheint der Roman ein simpler historischer Krimi zu sein, doch die Handlung ist so komplex, das nach und nach diverse Genres vermischt werden. Die große Liebe, der große Verrat, die große Hoffnung – alles spielt eine Rolle. Catton arbeitet die essentiellen Gefühle  und Wünsche des Menschen meisterhaft heraus und versteht es wunderbar, den Leser zwischen Sympathie und Antipathie gegenüber den Protagonisten hin und her springen zu lassen. Die Absichten, die in einem Kapitel positiv erscheinen, werden im darauffolgenden wieder hinterfragt.

Fazit: Cattons Roman fordert und überfordert auch stellenweise. Ich wollte das Buch so schnell wie möglich durchlesen, da ich das Gefühl hatte, mit jedem Mal des erneuten Anfangens wieder einige Details und Geschehnisse vergessen zu haben. Am Ende hätte ich gerne jemanden neben mir gehabt, der alles noch einmal kurz zusammenfasst. Was bleibt, ist der Eindruck, nicht alles erfasst zu haben und der Wunsch, gleich noch einmal anzufangen, denn „Die Gestirne“ ist sicher ein Roman, der mit jedem Mal noch besser wird. Die Autorin hat nicht umsonst den begehrten Booker Prize gewonnen -ihre Erzählung ist spannend, außergewöhnlich und macht Spaß. Ich gebe dem Roman 4 von 5 Sternen und freue mich darauf, ihren ersten Roman „Die Anatomie des Erwachens“ zu lesen, der als gebundene Ausgabe auf Deutsch 2010 erschienen ist und im Juli neu als Taschenbuch ebenfalls im btb Verlag erscheint.

Vielen Dank an den btb-Verlag für diesen wundervollen und spannenden Roman!

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3 thoughts on “Von Vollmond zu Neumond: „Die Gestirne“ von Eleanor Catton

  1. Hallo,

    ich muss sagen ich hatte mit „Die Gestirne“ leider so meine Probleme, irgendwie konnte ich mit der sprunghaften Erzählart nicht richtig warm werden, vielleicht macht dabei aber viel aus, dass ich es als Hörbuch gehört habe 🙂

    LG Sara

    Gefällt mir

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