Die Unglückseligen – Thea Dorn: „Ein Fest der deutschen Sprache“

„Wie soll uns ein anderes Wesen kostbar sein, wenn wir nicht mehr um es bangen, um es zittern müssen? Nichts Unzerstörbares vermag unsere Herzen zu erschüttern.“

9783813505986_CoverInhalt:  Thea Dorn befasst sich in „Die Unglückseligen“ aus dem Knaus Verlag mit dem Wunsch nach dem ewigen Leben. Johanna Mawet ist Molekularbiologin und forscht an Zebrafischen zur Unsterblichkeit von Zellen. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA gabelt sie einen merkwürdigen, alterslosen Herrn auf. Je näher sie ihn kennenlernt, desto abstrusere Erfahrungen macht sie mit ihm. Schließlich gibt er sein Geheimnis preis. Er sei der Physiker Johann Wilhelm Ritter, geboren 1776. Starker Tobak für eine Naturwissenschaftlerin von heute. Um seiner vermeintlichen Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, lässt sie seine DNA sequenzieren. Als Johannas Kollegen misstrauisch werden, bleibt dem sonderbaren Paar nur eines: die Flucht, dorthin, wo das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und schwarze Romantik sich schon immer gerne ein Stelldichein geben – nach Deutschland.

Rezension: „Die Unglückseligen“  war für mich ein Roman der Extreme und Gegensätze. Auf meine persönliche Meinung bezogen daher, da ich es am Anfang interessant, dann etwas langweilig und dann wieder sehr spannend fand. Besonders der Mittelteil zog sich in meinem Empfinden sehr, bis die Handlung dann wieder an Fahrt aufnahm. „Die Unglückseligen“ ist gewiss kein Roman, den man schnell mal „weglesen“ kann, wie es von vielen bei anderen Büchern oftmals positiv bemerkt wird. Vielmehr besticht die Geschichte dadurch, dass sie immer wieder die Erzählstruktur und Sprache ändert, als Beispiel sei hier nur kurz der Teufel zu nennen, der sich ähnlich Fausts Mephistopheles immer wieder einbringt und das Geschehene kommentiert.

Erzählt wird der Roman im Wechsel der beiden Hauptprotagonisten Johanna und Wilhelm Ritter (den es wirklich gegeben hat). Raffiniert verknüpft Thea Dorn die verschiedenen Sprachstile, denn immerhin lebte Ritter im 18. Jahrhundert und hat damit einen ganz anderen Sprachhintergrund als die moderne Wissenschaftlerin Johanna. Auch vom Inhalt her darf sich der Leser auf verschiedene Ebenen freuen – so gibt es beispielsweise Auszüge aus der Arbeit von Molekularbiologen, die mit ihrer Wissenschaftlichkeit beispielsweise im klaren Gegensatz zu einer durchgeführten Teufelsanbetung stehen. Die Autorin zeigt eine starke Sprachsicherheit und zu Recht darf der Knaus Verlag mit dem Slogan „Ein Fest der deutschen Sprache“ werben. Thea Dorn kombiniert die Stile und Perspektiven so kunstvoll, dass man plötzlich Spaß daran empfindet, die anspruchsvollen Zwischenpassagen des Teufels zu studieren und davon absieht, es merkwürdig zu finden, wenn ein kurzer Teil der Handlung plötzlich aus der einfachen Sicht einer Fledermaus erzählt wird. Thea Dorn traut sich, ihrem eigenen Stil zu vertrauen und schafft damit eine kunst- und anspruchsvolle Mischung der Sprache.

Habe ich die Sprache und die Perspektive bisher nur hervorgehoben, möchte ich noch ein paar Sätze zum Inhalt schreiben. Danke für diesen Roman, der kein Thriller, kein Krimi und kein Fantasyepos ist, in dem keine aggressiven Agenten Johanna und Ritter jagen und in dem kein brutaler Kampf geboten wird! „Die Unglückseligen“ lässt sich Zeit, die Handlung auszubreiten und gibt den Protagonisten die Möglichkeit, sich innerhalb des Erzählspielraums zu entwickeln. Die Spannung entsteht durch die Frage, was möglich ist, was Johanna und Ritter erreichen könne und ob Thea Dorn das Geheimnis des ewigen Lebens lüften wird. Wer dies herausfinden möchte, dem sei der Roman wärmstens empfohlen!

Fazit: „Die Unglückseligen“ fordert den Leser einiges an Konzentration und Begeisterung für die deutsche Sprache ab. Hat man sich erst einmal durch das anfänglich komplizierte Dickicht der Erzählung gekämpft, zeigt sich eine faszinierende Handlung, die den Leser in den Bann zieht und mit den jeweiligen Erwartungen rund um die Fragen der Möglichkeit des ewigen Lebens spielt. Ich gebe dem Roman 4 von 5 Sternen und bedanke mich herzlich beim Knaus Verlag für dieses tolle Buch!

  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
  • Verlag: Albrecht Knaus Verlag (26. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3813505986

 

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