Die Komödie von Charleroi: Begebenheiten aus dem Ersten Weltkrieg

„Es befinden sich Tausende von Menschen dort. Doch man sieht sie nicht. Wo sind sie? Versteckt, eingegraben in die Erde, bereits begraben. Und sie rühren sich nicht, sie werden sich tagelang nicht rühren. Die Erde verbirgt die Männer. Dabei ist die Erde zugrunde gerichtet.“

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Inhalt: Lebenshunger und Todessehnsucht, patriotische Gefühle und Desillusionierung: Pierre Drieu la Rochelles Erzählungen aus „Die Komödie von Charleroi“ spiegeln die innere Zerrissenheit des streitbaren Autors wider. Einer, der sich romantisch nach Heldentum sehnte, beschreibt hier die Absurdität des Ersten Weltkriegs und die schmerzliche Orientierungslosigkeit der Heimkehrer. Die spannende Neuübersetzung des umstrittenen Autors ist vor Kurzem im Manesse Verlag erschienen.

Rezension:  „Die Komödie von Charleroi“ ist eine Geschichte des Ersten Weltkrieges. Es ist eine ernste Komödie, die mit den Facetten der Menschen in ihnen spielt. Verspricht der Anfang noch einen Handlungsrahmen werden schnell sämtliche Strukturen über den Haufen geworfen, sodass aus einer Geschichte viele werden. Der Protagonist erzählt von verschiedenen Situationen und Menschen, die ihm in den Schützengräben Belgiens und auch danach noch begegnen. Er zieht hiermit einen vielfältigen Querschnitt der gesellschaftlichen und sozialen Vorgänge an der Front.

Ohne zu viel verraten zu wollen, sind die Begegnungen sehr unterschiedlich; vom fahnenflüchtigen Angsthasen zum regelrechten Draufgänger lässt Rochelle uns an allen Charakteren in all ihren verschiedenen Ausprägungen teilhaben. Der Auto erlaubt so einen interessanten Einblick in die Psyche und Gedanken der Soldaten. Pierre Drieu la Rochelle kämpfte selber als Soldat für Frankreich, unter anderen auch bei der bedeutenden Schlacht von Verdun, die im Roman immer wieder eine Rolle spielt. Gerade das macht die Erzählungen so realistisch. Auch der Sprachstil ist nüchtern, vermittelt aber gleichzeitig eine emotionale Tiefe. „Die Komödie von Charleroi“ zieht den Leser imaginär schnell mit an die Front und lässt ihn an spannenden Gesprächen und Situationen teilhaben, in denen man immer schwankt zwischen dem Drang, den Kopf zu schütteln oder zu schmunzeln. Sie erzählt die Geschichte von sich inszenierenden Angsthasen und gefallenen Helden.

Fazit:  „Die Komödie von Charleroi“ ist kein einfaches Buch. Der Kampf um das Überleben hunderttausender Soldaten klingt immer wieder in den Erzählungen mit und macht den Roman umso spannender. Hatte ich nach dem ersten Durchlesen ein gemischtes Gefühl, was meine Bewertung betraf, finde ich die Geschichten im Nachhinein immer interessanter. Ich vergebe gerne 4 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung. Die spezielle Neuübersetzung aus dem Manesse Verlag beinhaltet ebenfalls zahlreiche Anmerkungen zum Hintergrund des Romans und ein Nachwort zum Autor, die das bewegte und turbulente Leben Rochelles umreißen – ein spannender Schriftsteller, dessen Erzählungen heute leider viel zu unbekannt sind!

Vielen herzlichen Dank an den Manesse Verlag für dieses spannende Rezensionsexemplar! Der Verlag bietet übrigens eine tolle Auswahl an Romanen – es lohnt sich sehr!

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