Die Wahrheit sagen: Brutaler Roman über die Liebe zum Leben

„Ich war auf der Suche. Vielleicht nach dem Sinn des Lebens. So bin ich mit Bernhard durch das Tal des Leides zum Berg der Erkenntnis gegangen.“

Cover_Die Wahrheit sagen

 

Inhalt: Der tschechische Bestsellerautor Josef Formánek erzählt in „Die Wahrheit sagen“ (Gekko World) von einem wechselvollen und fast unglaublichen Leben im 20. Jahrhundert. Vom Leben der fiktiven Figur Bernhard Mares nach realem Vorbild: Wiener Waisenkind, in Tschechien aufgewachsen, als junger Mann auf der Suche nach einer „Familie“ in der SS gelandet, die große Liebe gefunden und immer wieder verloren, den Krieg überlebt, bei den Kommunisten angedockt, mehrmals knapp am Tod vorbeigeschrammt und zigmal im Gefängnis gestrandet.

Rezension: Allein äußerlich ist „Die Wahrheit sagen“ schon etwas anderes und sticht ins Auge. Obwohl das Cover nicht sehr viel über den Roman aussagt, kann man hier schon erahnen, wie vielfältig die Geschichte sein wird. Leidenschaftliche „Cover-Analysten“ hätten hier ihre wahre Freude dran! Die Vielfältigkeit der Erzählung wird auch dadurch bedingt, dass der Autor autobiografische Elemente einfließen lässt und diese in kurzen Episoden in die Handlung einbaut. Basiert auch die Geschichte des Protagonisten Bernhard Mares` auf wahren Begebenheiten, entsteht so ein authentisches Bild der Geschehnisse und der Leser hat das Gefühl, Formánek würde hier seine Seele offenbaren.  Gemeinsam mit dem Erzähler und dem Erzählenden schlittert der Leser so von einer Episode in die nächste. Besonderheit ist die integrierte Straßenbahnfahrt, die die Handlungsstränge verbindet und gleichzeitig voneinander abgrenzt. Die gesamte Erzählung wirkt in ihren verschiedenen Abschnitten wie ein Spiel gegen die Eintönigkeit der gestalterischen Romanwelt. Hierbei gibt es allerdings wenig Erfreuliches: Mares` Leben ist geprägt vom Zweiten Weltkrieg, einer kräftezehrenden Liebe und grauenvollen Aufenthalten in Gefängnissen. Auf die sogenannten Lichtblicke am Ende des (Straßenbahn-)Tunnels wartet man hier vergebens. Die Handlung ist roh, dreckig und grau –wäre „Die Wahrheit sagen“ ein Film, würde hier wohl fast nie die Sonne scheinen. Geprägt wird der Roman durch intensive Beschreibungen der einzelnen Ereignisse – und das auf eine sehr ehrliche und unverblümte Art. Dieses Plus der Erzählung ist für mich allerdings gleichzeitig ein Minus, da mir Mares schnell unsympathisch wurde. Für mich persönlich ist es sehr schwer, einer Handlung interessiert zu folgen, deren Protagonist darauf ausgelegt ist, Antipathie zu erwecken, daher war es schwierig, die Leselust beizubehalten. Spannend wurde es für mich immer dann, wenn Formánek selbst aus dem Schatten der Erzählung tritt und die Situation des Protagonisten mit der eigenen vergleicht und verknüpft.

Fazit: In „Die Wahrheit sagen“ ist der Titel Programm. Wer schonungslose Erzählungen mag und nicht vor erbarmungslosen Beschreibungen zurückschreckt, kommt hier sicher auf seine Kosten. Für mich war es schwer, mich in die Handlung einzufinden, gerade, weil dieses Buch dem Inhalt nach nur eines von vielen ist. Als tschechischer Bestsellerautor hat Josef Formánek noch so einiges an Romanen in petto, auf dessen deutsche Übersetzungen ich sehr gespannt bin. „Die Wahrheit sagen“ konnte mich leider nicht richtig überzeugen, hat allerdings die Lust geweckt, mehr von dem Autor zu lesen. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen.

Neugierig geworden? Mehr Informationen zum Autor und zum Verlag gibt es auf Gekkoworld.de Dieser Verlag möchte tschechische Autoren international bekannt zu machen, es lohnt sich also, reinzuschauen! 

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